Vom Kameramann 
zum MoJo-Reporter

Über zwanzig Jahre lang war er der Mann hinter der Kamera: zuverlässig, präzise, handwerklich herausragend. Er kannte Licht wie andere Menschen ihre Muttersprache. Doch als Smartphones mit 4K-Kameras die Branche eroberten, schrumpfte der Markt. Plötzlich hieß es: „Wir filmen das selbst – kostet nichts.“
Er fühlte sich abgehängt, fast entwertet.

 „Wozu braucht man mich noch?“, fragte er mich einmal. Eine Frage, die vielen Profis in Zeiten technologischer Sprünge durch den Kopf geht.


Ich war gar nicht sein Vorgesetzter. Doch ich kannte ihn durch viele gemeinsame Drehs und mochte ihn:  Wir analysierten, was ihn wirklich ausmachte: nicht die große Kamera, sondern das Auge dahinter. Sein Gespür für Perspektiven, seine Fähigkeit, eine Szene so zu erzählen, dass sie berührt. Und wir betrachteten die neue Medienwelt – schneller, mobiler, unmittelbarer.
Daraus entstand eine Idee: Mobile Journalism, kurz "MoJo". Der große Trend und inzwischen der Standard bei der Nachrichtenproduktion in vielen Medienhäusern.
 Statt großer Kamera also Smartphone. Statt riesiger Teams: Eigenproduktion. Aber mit seinem Profi-Wissen im Hintergrund – ein unschlagbarer Mix.

Er lernte Schnitt-Apps, experimentierte mit Gimbals, entwickelte ein eigenes visuelles Konzept. Was zuerst wie ein Rückschritt wirkte, wurde ein Sprung nach vorn. Heute produziert er als "MoJo-Operator" mobile Reportagen, gibt Workshops und zeigt Redaktionen, wie man mit kleinen Geräten große Geschichten erzählen kann.

„Früher brauchte ich drei Koffer Technik –
heute reicht mir ein kleiner Rucksack.“
 


Er ist nicht „zu teuer“ geworden. Er ist zu wertvoll geworden, um ihn nicht zu buchen.
Manchmal ist der Weg in die Zukunft so klein wie ein Smartphone – und so groß wie der Mut, neu anzufangen.